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Für Singvögel ist Musikalität überlebenswichtig. Denn wer den Ton nicht trifft, bleibt eher allein. Zebrafinken (Taeniopygia guttata) bilden da keine Ausnahme. In der Pubertät entwickelt jedes Männchen eigene Melodien, um seine Herzdame zu gewinnen.
Die Gesangskünste der kleinen Singvögel sind besonders gut erforscht. Auch wissen Zoologen bereits einiges darüber, wie Zebrafinken ihre Stücke erlernen. Der Biologe Christopher Olson von der Oregon Health and Science University in Portland hat sich dieses Wissen zunutze gemacht. Er wollte herausfinden, wie sich Drogen auf das Lernverhalten auswirkt. Also beschloss er, die Versuchstiere in einen Rausch zu versetzen.
Dazu mischte er den Vögeln 6 Prozent Ethanol ins Trinkwasser. Ein Alkoholspiegel von bis zu 0,8 Promille war die Folge. Wer in Deutschland damit hinterm Steuer erwischt wird, ist den Führerschein erst einmal los.
Die Lust am Singen verloren die betrunkenen Finken nicht. Sie trällerten munter weiter - mit "rauchiger Barstimme", wie Olsen sagt. Denn die Vögel gerieten aus dem Takt, der Gesang war planloser als im nüchternen Zustand.
Bedeutend beunruhigender als der eine oder andere schiefe Ton ist jedoch, dass die jungen Zebrafinken unter Alkoholeinfluss weniger neue Lieder lernen konnten. So prüften die Forscher, inwieweit sich das Lernverhalten von 40 Tage alten Zebrafinken, die gerade erst von ihren Eltern entwöhnt waren, durch dreiprozentigen Ethanol veränderte. 90 Tage bekamen die Jungvögel das Wasser mit Schuss, die Forscher zeichneten derweil ihre Gesänge auf.
Der Unterschied zu durchweg nüchternen Artgenossen wurde sehr schnell deutlich: "Normalerweise ,brabbeln' Jungvögel sehr viel, versuchen sich auch an unmelodischen Tonfolgen und entwickeln dann eine individuelle Melodie", erklärt Olson. Die unter Alkohol gesetzten Finken hingegen waren deutlich weniger experimentierfreudig und entwickelten bis zu ihrem 55. Lebenstag lediglich ein einfaches Lied.
"Es ist überraschend, wie früh sich der Alkohol auf die erwachsenen Vögel auswirkte", sagt der Zoologe Ofer Tchernichovski von der City University of New York. "Das ist die erste Studie, mit der die Folgen einer Droge auf einen derart gut erforschten Lernprozess untersucht worden sind."
Olson und sein Team gehen davon aus, dass der Alkohol die Kreativität und Flexibilität des Gehirns einschränkt. "Im Erwachsenenalter lernen Zebrafinken normalerweise keine neuen Melodien mehr", sagt Olson. "Es könnte sich also um einen dauerhaften Schaden handeln." Sein Team will nun herausfinden, ob die Vögel abhängig werden und ob sich ihre Melodien wieder weiterentwickeln, wenn sie keinen Alkohol mehr bekommen.
mm / first published in New Scientist © 2012
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2012
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