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Rund 400 Millionen Inder leben ohne Strom. In dem Bemühen, ihre Zahl zu verringern und zugleich nicht noch mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre zu pumpen, plant die indische Regierung den massiven Ausbau der Wasserkraft: Knapp 300 neue Staudämme sollen in den kommenden Jahrzehnten im Himalaya entstehen.
Das wird schwerwiegende ökologische Folgen haben, wie Edward Grumbine, Biodiversitätsforscher an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, und Maharaj Pandit, Botaniker am Zentrum für Bergökologie der Universität Delhi, in einer in Science erschienenen Studie ermittelt haben. Demnach würden 88 Prozent aller Dämme in biologisch sehr empfindlichen Waldgebieten gebaut.
Allein durch die Überschwemmung von Waldflächen und die Bauarbeiten wären 22 Blütenpflanzen- und 7 Wirbeltierarten direkt bedroht. Axel Paulsch, Geoökologe am Institut für Biodiversität in Regensburg, geht von weiteren Verlusten aus: "Die Flüsse werden ihrer natürlichen Dynamik beraubt. Pflanzenarten, die daran angepasst sind, dass das Wasser regelmäßig über die Ufer tritt, werden dann durch andere schnellwachsende Arten verdrängt."
Würden alle Dämme wie geplant errichtet, stünde künftig in fast allen größeren Wasserläufen des indischen Himalayas durchschnittlich alle 32 Kilometer ein Kraftwerk. Zwar müssen solche Großprojekte seit 1994 per Gesetz auf ihre Umweltverträglichkeit hin überprüft werden, doch sei das nicht geeignet, um die Gesamtfolgen einer so großen Dichte von Dämmen abzuschätzen, sagen Grumbine und Pandit.
Nicht nur deshalb würden im ganzen Land Menschen gegen die Wasserkraftprojekte demonstrieren. In der Vergangenheit hat sich die indische Regierung nicht gerade zimperlich gezeigt, wenn es um den Ausbau der Wasserkraft ging. Zwischen 16 und 40 Millionen Menschen seien für den Neubau von Dämmen umgesiedelt worden; nur in China seien es mehr gewesen, schreiben die Autoren.
Helmut Broeg
© New Scientist Deutschland GmbH 3/2013
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