Waldzustandsbericht 2012 Kranke Eichen

Auf die Krone kommt es an.
dapd

Auf die Krone kommt es an.

Von Waldsterben ist schon lange nicht mehr die Rede. Das zeigen auch die Ergebnisse des Waldzustandsberichts 2012. Demnach geht es vielen Baumarten besser als im Vorjahr. Für Eichen gilt das allerdings nicht: Mindestens jede zweite ist krank.

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An der Ostsee, nahe dem Ort Kellenhusen steht die 5-Mark-Eiche. Sie soll Maximilian Dasio als Motiv für die zwischen 1927 und 1933 geprägten 5-Reichsmark-Münze gedient haben. Doch die Krone des etwa 350 Jahre alten Baumes ist schütter geworden. Damit steht sie nicht alleine: Jede zweite Eichenkrone weist hierzulande Schäden auf, lediglich 17 Prozent der Bäume sind völlig intakt. Der Eiche geht es damit laut dem Waldzustandsbericht 2012 unter allen Baumarten in Deutschland am schlechtesten. Verantwortlich dafür sind laut dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) die Pilzkrankheit Mehltau sowie Raupen verschiedener Schmetterlingsarten, die im Frühjahr über das junge Blattwerk herfallen.

Insgesamt hat sich der Zustand deutscher Wälder im Vergleich zum Vorjahr jedoch leicht verbessert. Der Kiefer beispielsweise geht es so gut wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Auch die Buchen sind laut dem Bericht in einem besseren Zustand als 2011: 38 Prozent der Kronen sind ausgelichtet, im Vorjahr waren es noch 57 Prozent. Solche starken Schwankungen von Jahr zu Jahr seien aber nicht ungewöhnlich, sagt Nicole Wellbrock vom Thünen-Institut für Waldökosysteme, das den Bericht jährlich für das Bundesministerium erstellt. "Die Entwicklung der Buchen ist schon immer eine Zick-Zack-Kurve – in Abhängigkeit der Bucheckern-Produktion", ergänzt die Geographin.

Insgesamt hänge der Zustand der Wälder laut Wellbrock sehr stark von der Baumart, dem Standort und der Witterung ab. Ernsthaft bedroht vom Absterben bedroht sei der Wald nicht. Eichen sind jedoch stark in ihrer Vielfalt eingeschränkt. "Damit ein einzelner Baum stirbt, müssen viele Faktoren zusammenkommen. Beispielsweise eine langjährige Schädigung durch Luftschadstoffe gepaart mit einem starken Schädlingsbefall oder einem extrem trockenen Jahr."

Die Forstwirtschaft müsse sich also keine Sorge um ihren Rohstoff machen. "Wir haben so viel Holz im Wald wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg", sagt Heino Polley, ebenfalls vom Thünen-Institut für Waldökologie. "Es ist nur knapp, weil die Nachfrage steigt. Seit ein paar Jahren ist Holz wieder ein beliebter Baustoff, wird aber auch beispielsweise für Holzhackschnitzel verwendet."

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hält den Waldzustandsbericht allerdings nicht für besonders aussagekräftig. Die Betrachtung der Baumkronen reiche nicht aus, um die Gesundheit eines Baumes zu beurteilen. Viele Krankheiten seien mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Um den Wald nachhaltig zu schützen, fordert der BUND, zehn Prozent der Waldfläche unberührt wachsen zu lassen. Um Wirtschaftswälder widerstandsfähiger zu machen, sollten zudem mehr Monokulturen zu artenreichen Mischwäldern umgewandelt werden.

Marion Martin

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insgesamt 1 Beitrag
1. und ewig sterben die Wälder....
Krähenfuß 16.02.2013
In meiner Jugend war ich zeitweise regelrecht deprimiert, wenn ich lesen musste, wie schlecht es dem Wald geht, wann der letzte Baum gestorben sein wird und wie schlimm die Lage ist. Im Laufe des Lebens geriet diese Sache in den [...]
In meiner Jugend war ich zeitweise regelrecht deprimiert, wenn ich lesen musste, wie schlecht es dem Wald geht, wann der letzte Baum gestorben sein wird und wie schlimm die Lage ist. Im Laufe des Lebens geriet diese Sache in den Hintergrund. Vor einigen Jahren realisierte ich überrascht, dass das Waldsterben doch nicht stattgefunden hat (30 Jahre später! :) und war doch sehr erleichtert. Weiß man denn nun, warum die Bäume überleben konnten? Oder gilt wie immer: "Totgesagte leben länger"? Das wäre ein Ansatzpunkt, den kranken Eichen zu helfen, wobei mir die dänischen Eichen besonders lebhaft aus dem Urlaub in Erinnerung sind: kleine, windschiefe Bäumchen, fast schon Büsche, sehr klein, krallen sich in den Boden und wachsen knapp hinter den Dünen, ein kärgliches Bäumchenleben. Ich war erstaunt über diese Anpassung und Zähigkeit! Vielleicht weiß man einfach nicht genug über Bäume, wenn man temporäre Schwächeleien als Sterbeprozess deutet. Das Ganze ist immerhin eine langwierige Angelegenheit, Bäume können über hundert Jahre werden. Gerade den deutschen Eichen wünsche ich natürlich eine kräftige Gesundheit - wie allen Bäumen dieser Erde - und hoffe, dass sie die nächsten 30 Jahre lebend überdauern werden!
  • Datum: Mittwoch 06.02.2013 | 17:08 Uhr
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