01. November 2012, 00:00 Uhr

Verhütung

Die neue Wundertüte

Das Latex-Kondom hat sich seit Jahren nicht verändert. Jetzt haben zwei Amerikaner ein Präservativ aus Silikon entwickelt, das nicht nur effizienter verhüten soll, sondern auch noch mehr Lustempfinden in die Schlafzimmer bringen soll.

Ob in gelb, blau oder grün, mit Erdbeer- oder Schokogeschmack, mit Noppen oder ohne – so richtig sexy war das Kondom noch nie. Zumindest in westlich geprägten Ländern hat es aber zumindest sein Image als Spaßbremse inzwischen verloren. Nach einer Umfrage empfinden Frauen und Männer Sex mit Kondom genauso lustvoll wie ohne. Das spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen wieder: 2012 wurden in Deutschland 221 Millionen der Latexschläuche verkauft – mehr als je zuvor. Über 80 Prozent der 16- bis 20-Jährigen mit sexueller Erfahrung halten sie bereit. Vor allem, wer eine neue Beziehung eingeht, benutzt – unabhängig vom Alter – ein Kondom. Das Ergebnis: eine der geringsten HIV-Neuinfektionsraten Europas.

Um eine möglichst echte Empfindungsübertragung zu ermöglichen, versuchen Hersteller, das Latex-Kondom so dünn wie möglich zu gestalten. Das Problem dabei: Je dünner das Material, desto schneller reißt es. Danny Resnics eigene Erfahrungen mit diesem Problem machte ihn zum Kondom-Designer. Denn 1994 bekam er die Diagnose HIV-positiv – wahrscheinlich infolge eines gerissenen Kondoms.

Seine innovativen Gedanken wurden jedoch schnell von den Grundprinzipien der Kondomherstellung auf den Boden der Tatsachen gebracht: Phallusartige Formen werden in flüssiges Latex getaucht, das getrocknete Material muss von der Form aufgerollt werden – um vor dem Akt wieder abgerollt zu werden. Resnic beschloss also, bei null anzufangen. Mit einem neuen Material: Silikon. Seine gemeinsam mit Ray Chavez entwickelte Kreation ist nicht nur dehnbarer und flexibler als Latex, sondern hält auch Viren und Bakterien besser ab. Außerdem lässt es sich wie eine Ziehharmonika zusammenfalten und einfach über den Penis stülpen. Das mühsame Abrollen hat ein Ende.

Sexspielzeug und Verhüterli

Das Origami-Kondom soll leichter anzulegen sein, die Strukturen und Rippen zudem beiden Partnern zu lustvollerem Sex verhelfen als ohne Schutz. Resnics Prototypen sind dickwandiger und sitzen lockerer. Aber genau das ist der Trick: Die innen mit Gleitgel beschichtete Hülle imitiert das Innere der Vagina.

Die neueste Version des Präservativs hat sogar ein Reservoir, aus dem das Sperma nicht mehr hinausfließen kann. Das sei sicherer als die kleine Ausbuchtung an der Spitze von Latex-Kondomen.

Derzeit befinden sich drei von Resnics Silikon-Erfindungen im Praxistest: Ein Kondom für Frauen, eines für Männer und eines speziell für Analsex. Aus Sicherheitsgründen sind die Probanden jedoch fürs erste auf sich allein gestellt und müssen selbst Hand anlegen. Im nächsten Schritt müssen Paare die neuen Kondome testen, erst dann können größer angelegte Studien beginnen.

Mehr über die Geschichte des Kondoms und die neue Entwicklung von Danny Resnic und Ray Chavez lesen in der Ausgabe 5/2013 ab Seite 24.

Marion Martin, Hannah Krakauer


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© New Scientist Deutschland GmbH
First published in New Scientist 0/2012,
Reed Business Information Ltd., England.

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