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    Schweinefleisch: Genveränderte Eber stinken weniger



Ernährung Reine Geruchssache

Wer bitte stinkt denn hier?
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Wer bitte stinkt denn hier?

Weil das Fleisch von Ebern in der Pfanne oft übel riecht, kastrieren Züchter die Tiere. Doch vielleicht wird die Schnippelei bald überflüssig.

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Der junge Eber ist eine arme Sau. Kurz nach der Geburt kommen männliche Ferkel in der Schweinemast unters Messer und werden kastriert. Der überaus schmerzhafte Eingriff hat einen Grund: Ohne ihn entwickelt das Fleisch vieler Eber beim Erhitzen einen strengen Geruch nach Fäkalien, Urin oder Schweiß. Der Gestank entsteht durch das Pheromon Andostrenon und ein Abbauprodukt der Aminosäure Tryptophan namens Skatol, die sich in Fleisch und Fettgewebe der Tiere anreichern können. Je nach Gehalt machen sie Schnitzel und Koteletts für viele Menschen ungenießbar. Richtig zubereitet, lässt der Mief etwas nach.

Forscher von der Georg-August-Universität in Göttingen untersuchten jetzt, ob Fleisch von intakten Jungebern nicht doch schmeckt: 145 Testesser verspeisten nacheinander Kotelett-Stücke, die jeweils als "Jungeberfleisch" oder "Schweinefleisch" gekennzeichnet waren. Die Koteletts stammten von weiblichen Tieren, von kastrierten und nicht kastrierten Ebern. Die Versuchspersonen wurden über die Herkunft des Fleischs informiert. Das überraschende Ergebnis: Kaum einer der Esser konnte einen Geschmacksunterschied zwischen den Proben feststellen.

Die Verbraucher lassen sich während des Essens also durch Informationen über die Herkunft des Fleischs nicht verunsichern, folgerten die Wissenschaftler (Meat Science, doi.org/jks). Ob sich die Ergebnisse bestätigen, wenn die Konsumenten das Fleisch selbst braten und sich womöglich übler Geruch ausbreitet, müsse aber in weiteren Studien untersucht werden.

Doch männliche Zuchtferkel leiden weiter. Erst 2017 soll die Kastration ohne Narkose verboten werden, nicht aber die Kastration selbst. Mastbetrieben schmeckt das nicht - die betroffenen Ställe müssen jährlich rund hundert Millionen Euro zusätzlich für die Betäubungsmittel ausgeben.

Wobei es auch anders ginge: Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz finanziert mit mehr als 1,1 Millionen Euro ein Forschungsprojekt, das untersuchen soll, inwieweit sich der Gestank wegzüchten lässt. Denn ob ein Eber zum Stinktier wird, liegt auch am Erbgut. So steuert zum Beispiel vermutlich das CYP2E1-Gen den Abbau von Skatol in der Leber. Das haben ebenfalls die Wissenschaftler der Georg-August-Universität herausgefunden. So rochen Eber mit einer bestimmten Variante des Gens strenger als ihre Artgenossen.

Ist der Mief weg, erledigt sich die Kastration. Die Eber kommen allerdings in die Pubertät und werden rauflustig. Damit ist das nächste Problem für die Züchter programmiert.

Anke Kapels

© New Scientist Deutschland GmbH 2012

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insgesamt 4 Beiträge
1. Was im Artikel nicht erwähnt wird:
rasta123 30.10.2012
Die Betäubung/Narkose darf nur ein Tierarzt vornehmen. Das ist kein Problem in Großbetrieben, in denen die Sauen zeitgleich abferkeln (hormongesteuert...). In "bäuerlichen" Kleinbetrieben bedeudet das aber, dass der [...]
Die Betäubung/Narkose darf nur ein Tierarzt vornehmen. Das ist kein Problem in Großbetrieben, in denen die Sauen zeitgleich abferkeln (hormongesteuert...). In "bäuerlichen" Kleinbetrieben bedeudet das aber, dass der Tierarzt alle paar Tage benötigt - und auch bezahlt - werden muss. Also wieder ein Nachteil für Kleinbetriebe - die Großen wird's freuen...
2. Verwesendes Fleisch riecht eben stark,
vantast64 30.10.2012
das ist doch ganz normal und kein Grund zur Beanstandung. Es gibt auch schlimme Käse, die man nicht riechen mag, die aber vorzüglich schmecken.
das ist doch ganz normal und kein Grund zur Beanstandung. Es gibt auch schlimme Käse, die man nicht riechen mag, die aber vorzüglich schmecken.
3. Tierverhalten?
prieten 31.10.2012
Und gibt es auch Verhaltensprobleme mit unkastrierte Schweine? Sind sie nicht auch aggresiver als kastrierte? In Amerika vor kurzen gab es einen Artikel über einem Bauer den von seinen Schweinen gefressen wurde.
Und gibt es auch Verhaltensprobleme mit unkastrierte Schweine? Sind sie nicht auch aggresiver als kastrierte? In Amerika vor kurzen gab es einen Artikel über einem Bauer den von seinen Schweinen gefressen wurde.
4. Eine verdammte Schweinerei
susan111 31.10.2012
Mein Gott, wann begreift der Mensch endlich, dass Tiere nicht nur "Fleisch zum essen" sind, sondern Lebewesen, die Schmerzen empfinden wie alle Säugetiere. Es ist zum Kotzen, dass immer noch Kastrationen ohne Betäubung [...]
Mein Gott, wann begreift der Mensch endlich, dass Tiere nicht nur "Fleisch zum essen" sind, sondern Lebewesen, die Schmerzen empfinden wie alle Säugetiere. Es ist zum Kotzen, dass immer noch Kastrationen ohne Betäubung erlaubt sind. Dann sollen die Menschen eben auf Fleisch verzichten, wenn es ihnen nicht schmeckt. Diese ganze Massenproduktion ist einfach widerlich. Weniger Fleisch - mehr Ethik!
  • Datum: Dienstag 30.10.2012 | 11:45 Uhr
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