• Home
  • >Medizin
  • >

    Progerie: Eltern bekommen Medikament für ihre einjährige Tochter



Seltene Krankheiten Wettlauf gegen die Zeit

Kinder mit Progerie auf einem Europa-Treffen in der Eifel vor einigen Jahren.
Karsten Schoene / laif

Kinder mit Progerie auf einem Europa-Treffen in der Eifel vor einigen Jahren.

Eltern haben für ihre Tochter ein Medikament gegen vorzeitiges Altern erkämpft. Das Mädchen bekommt es als erstes Kind in Europa.

Sie lesen New Scientist Deutschland.

Dies ist die Website des neuen wöchentlichen Wissensmagazins der SPIEGEL-Gruppe. Hier finden Sie spannende Neuigkeiten aus Wissenschaft und Technik, verblüffende Videos aus Forscherlaboren und kuriose Beobachtungen aus dem Alltag.

Ein einjähriges Mädchen aus Deutschland bekommt als erstes Progerie-Kind in Europa das Medikament Lonafarnib, wie das deutsche Wissensmagazin New Scientist in seiner neuen Ausgabe (Erscheinungstermin: Freitag, 15. Februar) berichtet. Der Entscheidung war ein monatelanger Kampf vorausgegangen.

Nach Angaben des behandelnden Arztes, Thorsten Marquardt vom Universitätsklinikum Münster, war die Entscheidung überfällig. "Die Krankheit schreitet so schnell voran, dass wir keine Zeit zu verlieren haben", sagte er dem New Scientist. Progerie führt dazu, dass die Patienten schon als Kind vergreisen. Sie leiden beispielsweise unter Kleinwuchs, rapider Hautalterung, Arterienverkalkung - und erreichen bestenfalls das Teenager-Alter.

Über mehrere Monate hatte Marquardt mit dem US-amerikanischen Pharmaunternehmen MSD Sharp & Dohme über die Herausgabe des Medikaments verhandelt. Das Problem: Das Mittel ist allein in den USA und dort auch nur als Krebsmedikament zugelassen. An europäische Patienten hatte die Firma es deshalb bislang nicht herausgegeben. Nur im Ausnahmefall darf es importiert werden.

Das Mädchen bekommt Lonafarnib nun kostenlos. Ob nach dem Einzelfall nun auch andere Betroffene in Europa versorgt werden, bleibt offen.

Erste Studien mit dem Medikament als Mittel gegen Progerie haben bereits vielversprechende Ergebnisse geliefert. "Zum allerersten Mal sehen wir, dass eine Arznei den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann", sagte Studienleiterin Leslie Gordon von der Brown University in Providence, Rhode Island, dem New Scientist. Untersuchungen mit weiteren Wirkstoffen laufen derzeit.

Etwa einer von vier Millionen Säuglingen wird mit dem seltenen Gendefekt geboren, der das Gerüst der Zellkerne im Körper destabilisiert. Die Krankheit ist nur bei rund 50 Patienten weltweit diagnostiziert. Trotz ihrer Seltenheit ist sie für die Altersforschung von großem Interesse.

Alina Schadwinkel

© New Scientist Deutschland GmbH 8/2013

Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigung nur mit Erlaubnis der SPIEGEL-Gruppe.

Sagen Sie Ihre Meinung!
  • Datum: Donnerstag 14.02.2013 | 00:00 Uhr
  • Artikel drucken | Artikel versenden









Online-Angebote der SPIEGEL-Gruppe
SPIEGEL ONLINE
manager magazin
Harvard Business Manager
manager-lounge
einestages
Bleiben Sie in Verbindung mit New Scientist
Fan werden von New Scientist
New Scientist auf Twitter
RSS-Feed abonnieren