04. Januar 2013, 11:29 Uhr

Paläontologie

Eitler Pfau der Urzeit

Die Überreste von vier Oviraptorosauria lieferneinen starken Beweis dafür, dass Federn den Urzeitechsen einst als Balzschmuck dienten und nicht bloß als Flugbeiwerk oder Wärmeschutz.

Das Bild der ausschließlich schuppigen Urzeitechsen hat ausgedient. Heute steht fest: Zahlreiche Dinosaurier waren Riesen mit Federn. Denn seit der Entdeckung des Sinosauropteryx im Jahr 1996 sind Paläontologen auf verschiedene flauschige Dinoarten gestoßen. Unklar ist bislang, wie viele der Urzeitechsen tatsächlich Gefieder besaßen. Auch fragen sich Forscher, welchen Nutzen es hatte. Diente es als Flugbeiwerk, Balzschmuck oder Wärmeschutz?

Ein amerikanisches Forscherteam hat nun herausgefunden, dass einige Dinosaurier aus der Kreidezeit mit ihren Schwanzfedern Artgenossen imponierten – so wie heute Pfauen oder Truthähne (Acta Palaeontologica Polonica, Link: doi.org/j53).

"Die Dinosaurier der Oberkreide stellten mit Federn bereits alles an, was Vögel heute machen", sagt der Paläontologe Scott Persons von der University of Alberta. Einige hätten sie für den Flug genutzt, andere als Wärmeschutz und die von ihm untersuchten eben als Balzschmuck.

Persons hat die Überreste von vier Dinosaurierarten miteinander verglichen. Dabei widmete er seine Aufmerksamkeit einer ganz speziellen Körperstelle: der Schwanzspitze. Sie ist bei den zweibeinig laufenden Oviraptorosauria besonders geformt. Die hinteren Schwanzwirbel der Pflanzenfresser sind zu einer schwertspitzenartigen Form zusammengeschmolzen und nicht etwa zu einem reptilienartigen langen Schwanz. "Die Form nennt sich Pygostyl", sagt Persons. Heute findet sie sich noch bei Vögeln.

Doch warum hatten die Oviraptorosauria einen so geformten Schwanz? Schließlich gelten die Dinos als flugunfähig. 2008 wurden erstmals Fossilien eines Similicaudipteryx beschrieben, er gehört auch zur Gruppe der Oviraptorosauria. An seinem Schwanzende fanden die Forscher damals Überreste von Federn, die wohl zu einem Fächer geformt waren (Vertebrata PalAsiatica, Nr. 3, Seite 178-189).

Wie schon die Autoren der damaligen Studie geht Persons davon aus, dass die Dinos mit dem Fächer wedeln oder ihn wie ein Pfau aufstellen konnten, um so die Aufmerksamkeit der Herzensdame auf sich zu ziehen. Da die späteren Oviraptorsauria die gleiche Schwanzstruktur aufwiesen, hätten ihnen die Federn zu eben diesem Zweck gedient, folgert Persons. Eine Rekonstruktion der Muskeln ergab, dass die Bewegung tatsächlich möglich gewesen wäre.

Dass ein buntes Federkleid der Brautwerbung diente, wird von einem früheren Fossilienfund gestützt. In einer 75 Millionen Jahre alten Sandsteinformation im kanadischen Alberta waren Forscher vor einigen Jahren auf den straußenähnlichen Ornithomimus gestoßen. Der Dino bekam seinen farbenfrohen Körperschmuck wohl erst im Erwachsenenalter, wie die fossilen Überreste eines Jungtiers und zweier ausgewachsenen Exemplare zeigte (Science, doi.org/jmx). Für was, wenn nicht zur Brautwerbung sollten sie gedient haben, vermuten die Forscher.

Welche Farbe das Federkleid gehabt haben könnte, ist ebenfalls nicht geklärt – auch weil sich an den von Persons untersuchten Überresten keine direkten Nachweise des Körperschmucks fanden. Generell jedoch scheint der Farbenvielfalt von Dinos keine Grenzen gesetzt: So soll etwa der Sinosauropteryx einen rot-braun gestreiften Schwanz gehabt (Nature, doi.org/fvdfd8) und der Microraptor blau-grün geschimmert haben (Science, doi.org/jmt).

Alina Schadwinkel


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