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Eine der am heftigsten diskutierten Fragen der Entwicklung des Menschen lautet: Haben Neandertaler und anatomisch moderne Menschen gemeinsame Kinder bekommen? Theoretisch wäre das möglich gewesen, denn vor rund 30.000 Jahren trafen beide Arten in Europa und dem Nahen Osten aufeinander.
Neue genetische Untersuchungen lassen vermuten, dass sich Menschen und Neandertaler durchaus miteinander vermischt haben. Doch es gibt keine Fossilien, die sich eindeutig als Überreste von Mischlingen identifizieren lassen. Was kein Widerspruch sein muss, wie eine neue Studie aus den Wäldern Mexikos nahelegt. Danach können bei Primaten Mischlinge einer Elternart zum Verwechseln ähnlich sein.
Anthropologen der Universität Michigan haben zwei dort lebende Arten von Brüllaffen untersucht, von denen bekannt ist, dass sie gelegentlich miteinander Nachkommen zeugen. Mantel-Brüllaffen und Schwarze Brüllaffen haben sich seit drei Millionen Jahren zu eigenständigen Arten entwickelt. Sie unterscheiden sich nicht nur durch ihr Verhalten und ihr Aussehen, sie besitzen sogar eine unterschiedliche Anzahl von Chromosomen.
Beide Arten bewohnen weitgehend geografisch getrennte Gebiete, nur im Bundesstaat Tabasco im Südosten Mexikos überschneiden sich die Populationen und es kommt dort häufig zu Kreuzungen sowohl zwischen den beiden Ausgangsarten als auch unter den Mischlingen. Die Forscher fanden heraus, dass Individuen mit gemischter Herkunft, deren Gene größtenteils mit einer der beiden Ursprungsarten übereinstimmen, sich anatomisch nicht von dieser Art unterscheiden lassen (American Journal of Physical Anthropology, doi: 10.1002/ajpa.22196).
Dazu ermittelten sie bei den einzelnen Individuen 16 Körpermaße, unter anderem Kopfumfang, Arm- und Beinlänge und Brustumfang sowie das Körpergewicht. "Aus unserer Ergebnissen lässt sich schließen, dass anatomische Merkmale nicht immer einen Hinweis darauf geben können, ob ein Individuum von Eltern unterschiedlicher Arten abstammt", sagt die Evolutionsbiologin Liliana Cortés-Ortiz, die an der Studie beteiligt war. Daher könnten mehr fossile Knochenfunde aus der Ahnenreihe des Menschen von Mischlingen stammen, als viele Paläoanthropologen bislang vermuten. Bei vielen Individuen, die Forscher als Neandertaler oder moderne Menschen einstufen, könnten es sich also tatsächlich um Kreuzungen zwischen beiden Arten handeln.
Helmut Broeg
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2012
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