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Die grün-weißen Türen schließen sich, und ein Mann mit beigefarbenem Overall und blauer Mütze murmelt in sein Walkie-Talkie. Er hebt die Hand, um die Abfahrt freizugeben: Los geht's!
Die zwei Waggons des Zuges setzen sich ruckelnd in Bewegung und zockeln langsam die Gleise nach oben, um anschließend bergab immer schneller durch die sanft geschwungene Strecke zu rollen. Die Fahrt ist fast geräuschlos und kurz - zwischen den Haltestellen liegen gerade einmal 100 Meter
Eco-Ride-Zug fühlt sich wie eine Achterbahn an - und ist praktisch auch eine. In ein paar Jahren soll die preiswerte Bahn Passagiere durch Japans Städte transportieren.
Entwickelt hat sie das Institut für Industrieforschung der Universität Tokio zusammen mit dem Hersteller von Fahrgeschäften für Vergnügungsparks Senyo Kogyo. Der Eco-Ride braucht für seine Fahrt keinen Motor, weil er potentielle Energie, also Energie der Höhendifferenz, in Bewegungsenergie umsetzt - ganz wie eine Achterbahn.
Sein Tempo regeln der Luftwiderstand und kleine Rampen, die die zwei Gefällestrecken miteinander verbinden. An den Haltestellen befinden sich zwischen den Schienen motorisierte Räder, die sich an eine unter dem Zug befindliche Metallschiene anpressen und den Eco-Ride damit abbremsen und starten.
Die fertige Bahn könnte auf einem Rundkurs bis zu 40 Stundenkilometer schnell fahren, im Durchschnitt 20 bis 30 Stundenkilometer. Die Idee ist, dass der Zug im Wesentlichen von seiner Masse angetrieben die meisten Hügel erklimmen kann. Nur an steileren Stellen wird nachgeholfen, und am Anfang der Strecke wird die Bahn zum Beispiel mit einer Seilwinde den Hang hinaufgezogen. Mit dem Schwung aus zehn Meter Höhendifferenz könne sie etwa 400 Meter weit fahren, sagt Entwickler Yoshihiro Suda, Direktor für Verkehrstechnik am IIS.
Da die Entwickler auf einen Motor verzichtet haben, sind die Züge extrem leicht - das senkt den Energiebedarf, um sie zu bewegen, und vermeidet Emissionen. Ein weiteres Plus: Teure, aufwendige Steueranlagen, wie bei neuen Schienentrassen üblich, sind beim Eco-Ride überflüssig.
2014 soll es losgehen
"Dies ist möglicherweise das energieeffizienteste Transportsystem überhaupt", sagt Suda. Einige japanische Städte hätten sich bereits für das System interessiert, darunter Kommunen im Nordosten des Landes, die das Erdbeben 2011 hart getroffen hat. Aber die Züge sind nicht bloß sparsam, sie machen auch eine leichte Schienenkonstruktion möglich, was die Baukosten erheblich senkt. Suda hofft, dass 2014 der erste Eco-Ride in Betrieb geht. Die Prototypen auf der Teststrecke in Chiba funktionieren gut, demnächst sollen Fahrversuche unter realen Bedingungen stattfinden.
Mit dem Ticket in der Hand erklimme ich den provisorischen Bahnsteig. Ein Plakat an der Wand erläutert einige technische Details und zeigt das computeranimierte Bild eines Eco-Ride (siehe links), der hoch über der Straße durch die Stadt gleitet.
Das sei vielleicht noch etwas weit weg, sagt Masao Kuwahara, Verkehrsingenieur an der Universität Tokio. Aber für das vom Beben stark betroffene Tohoku sei der Eco-Ride perfekt. Die Region ist hügelig, viele Bewohner wohnen in höheren Lagen, während sie auf Meereshöhe arbeiten.
Manche Experten sind noch skeptisch. "Angesichts seiner einfachen Bauweise und seiner Umweltfreundlichkeit ist es bemerkenswert", sagt Takayuki Morikawa, Professor für Verkehrs-Management an der Universität Nagoya. "Aber es gibt bereits Züge, die beim Bremsen oder Bergabfahren Energie zurückgewinnen. Wir müssen also prüfen, welches System effizienter ist."
Verkaufsmanager Yumi Ito jedenfalls wirbt mit dem Achterbahngefühl im Eco-Ride. "Würde das nicht Ihren Tag verschönern?"
Robert Gilhooly
© New Scientist Deutschland GmbH
First published in New Scientist 0/2012,
Reed Business Information Ltd., England.
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