Interview mit Asteroiden-Jägern Goldschürfer im Weltall

Unendliche Rohstoffe.
Planetory Resources

Unendliche Rohstoffe.

Eric Anderson hat den ersten Touristen ins All geschickt, Chris Lewicki zwei NASA-Rover auf dem Mars abgesetzt. Finanziert von Google-Milliardären, wollen die zwei nun Metalle auf Asteroiden schürfen - und nebenbei die Erde retten.

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Sie wollen mit Ihrer Firma Planetary Resources Bergbau im All betreiben. Zu den Geldgebern zählen die Google-Manager Larry Page und Eric Schmidt. Wie schwierig war es, die beiden zu überzeugen?

Eric Anderson:
Die Jungs bei Google finden den Weltraum alle interessant. Sie haben verstanden, wie wichtig es ist, eine Wirtschaft jenseits unseres Planeten aufzubauen. Also haben Larry Page und Eric Schmidt investiert. Und Sergey Brin (Mitgründer und Technologiechef bei Google, Anm. d. Red.) hat bereits einen Trip ins All mit meiner Weltraumtourismusfirma Space Adventures gebucht.

Sie wollen Weltraumteleskope in die Umlaufbahn bringen, um nach Asteroiden zu suchen, die reich an Edelmetallen oder Wasser sind. Anschließend sollen Raumsonden dort landen, um sie zu untersuchen und Rohstoffe abzubauen. Ist das wirklich Ihr Ernst?

Chris Lewicki:
Klar. Die ersten Teleskope werden wir in 18 Monaten hochschießen, wir bauen sie gerade in unserer Anlage in Bellevue, im US-Bundesstaat Washington. Unser Team umfasst mehr als 30 Ingenieure, die genau wie ich am Jet Propulsion Laboratory der Raumfahrtagentur NASA viel Erfahrung mit solchen Dingen gesammelt haben. Viele im Team waren an der Konstruktion und dem Bau des Rovers "Curiosity" beteiligt, der gerade den Mars erkundet. Ich selbst habe als Systemingenieur an den Rovern "Spirit" und "Opportunity" mitgearbeitet und war bei ihrer Landung auf dem Mars der Flugleiter.

Wie viele Teleskope brauchen Sie für die Asteroidensuche? Und sind sie vergleichbar mit Hubble?

Anderson: Wir möchten in den kommenden fünf Jahren mindestens 10 bis 15 von ihnen in die Umlaufbahn schießen, einige davon mit Raketen des privaten Raumfahrtunternehmens Virgin Galactic. Sie sind nicht annähernd so leistungsfähig wie Hubble, aber das Teleskop hat ja auch eine Milliarde Dollar gekostet und ist so groß wie ein Schulbus. Unsere Teleskope — wir nennen sie "Arkyd 100" — sind würfelförmig, mit einer Kantenlänge von einem halben Meter und kosten rund eine Million Dollar das Stück. Natürlich wird das erste deutlich teurer sein. Aber wenn wir die Teleskope erst auf ein hohes Leistungsniveau gebracht haben, wollen wir in die Massenfertigung am Fließband gehen. Ihre Aufnahmen werden eine Auflösung von unter einer Bogensekunde haben — das ist atemberaubend.
Lewicki: Je kleiner wir sie bauen, desto billiger wird es, sie hochzuschießen. Wenn sie ungefähr so groß sind wie ein kleiner Kühlschrank, mit einem Optik-Durchmesser von 22 Zentimetern, ist das der beste Kompromiss zwischen Leistungsfähigkeit und Startkosten.

Wie finden Sie heraus, ob auf einem Asteroiden Platin, Gold oder Wasser vorkommen?

Eric Anderson.
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Eric Anderson.

Anderson: Wir schicken andere Raumfahrzeuge hin, um ihn zu untersuchen. Das werden Varianten des Teleskops mit eigenem Raketenantrieb sein — das "Arkyd 200" für den erdnahen Weltraum und das "Arkyd 300", das identisch gebaut ist, aber ein Kommunikationssystem für entferntere Missionen hat. Wir wollen sichergehen, dass wir jeden Kubikzentimeter des Asteroiden kennen. Wir werden herausfinden, wo er sich befindet, wie groß seine Massenträgheit ist, wie hoch seine Rotationsrate ist, ob er verbrannt ist oder Einschlagskrater besitzt, ob er überwiegend aus Kohlenstoff oder aus Metall besteht. Wir werden den Asteroiden in- und auswendig kennen, bevor wir mit dem Abbau beginnen.

Können Sie aus der Ferne feststellen, ob solch ein Fels im All beispielsweise lukrative Platinvorkommen enthält?

Lewicki: Wahrscheinlich nicht. Aber wir könnten Wasservorkommen von Metallen oder Silikaten unterscheiden. Im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter gibt es zum Beispiel ein Exemplar namens "(24) Themis", auf dessen Oberfläche wir von der Erde aus Wassereis nachweisen konnten. Um Metalle zu identifizieren, müssen wir Spektrometrie einsetzen und zurückgebrachte Gesteinsproben analysieren. "Arkyd 300" wird direkt auf dem Asteroiden landen und Proben nehmen — wie die NASA-Sonde "NEAR" oder die japanische Sonde "Hayabusa" — und dann mit Bildern, Daten und Gesteinsproben zur Erde zurückkehren, wo alles analysiert wird.

In der Schwerelosigkeit wird es ziemlich schwierig, auf einem Asteroiden von 50 bis 500 Meter Durchmesser Erz abzubauen, selbst für Roboter. Welche Technik wollen Sie einsetzen?

Chris Lewicki
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Chris Lewicki

Lewicki: Die Raumfahrzeuge werden wir anhand der Daten konstruieren, die die "Arkyd-300"-Sonden sammeln. Es gibt viele Möglichkeiten. Denkbar sind kleine Fahrzeuge, die in Schwärmen zusammenarbeiten, aber auch große Maschinen, die industriell aussehen. Bevor wir ein Raumschiff im Detail konstruieren, müssen wir hinfliegen, den Asteroiden erkunden und schauen, welche speziellen Möglichkeiten sich bieten.

Sie haben auch vorgeschlagen, dass man einen Asteroiden näher zur Erde manövrieren könnte, um den Abbau zu erleichtern. Ist das wirklich machbar?

Anderson: Das ist es. Eine Variante wäre, das Wasser auf einem Asteroiden einfach in Raketentreibstoff zu verwandeln und in einer Schubdüse zu verbrennen, die seiner Flugbahn einen Stupser versetzt. Wenn wir Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff spalten, erhalten wir den Treibstoff, der die Spaceshuttles ins All befördert hat. Einige Asteroiden bestehen zu 20 Prozent aus Wasser — mit der Menge könnten Sie das Ding an so ziemlich jeden Ort im Sonnensystem manövrieren. Wir können auf dem Asteroiden auch ein Katapult errichten, das mit der Sonnenwärme gespannt wird. Dann schleudern wir Material entgegen der gewünschten Flugrichtung in den Weltraum. Die Impulserhaltung wird dafür sorgen, dass sich das Ding vorwärtsbewegt — als würden Sie auf einem Skateboard stehen und eine Pistole abfeuern.
Lewicki: Das sehen nicht nur wir so. Eine Studie des Keck Institute, an der Leute vom Jet Propulsion Laboratory, dem NASA Johnson Space Center und der Hochschule Caltech beteiligt waren, hat gezeigt, dass sich Asteroiden mit wenigen Metern Durchmesser mit vorhandener Technologie in eine Mondumlaufbahn lenken lassen, um sie weiter zu untersuchen.

Fallen Ihnen noch andere Gründe dafür ein, Asteroiden neu zu positionieren?

Anderson: Es gibt da ein unglaubliches Konzept: Wir könnten einen Asteroiden in einer Umlaufbahn zwischen Erde und Mars positionieren. Astronauten, die zwischen beiden Planeten reisen, würden dann auf- und wieder absteigen, wie bei einem Bus. Stellen Sie sich das vor: Wir würden aus einem Asteroiden ein Raumschiff machen.

Abgesehen von Ihrem Ziel, Gewinne für Ihre Investoren zu erwirtschaften: Welche praktischen Nebeneffekte könnte Ihre Mission für den Rest der Welt haben?

Anderson: Wir hoffen, Hunderte von neuen Asteroiden zu finden, die sonst nicht entdeckt worden wären — darunter solche, die die Erde bedrohen. Wir müssen unbedingt die Fähigkeit entwickeln, Asteroiden umzulenken, denn alle paar hundert Jahre schlägt einer ein, der viele Opfer fordern und Schäden in Milliardenhöhe anrichten könnte. Hätte der Tunguska-Meteorit 1908 London oder New York getroffen, hätte er Millionen von Menschen getötet. Es ist eines der wenigen natürlichen Risiken, von denen wir wissen, dass sie auf jeden Fall eintreten — die Frage ist nur, wann. Wir müssen darauf vorbereitet sein. Einige mögen es für riskant halten, Asteroiden umzulenken, aber wir brauchen diese Fähigkeit dringend, um unseren Planeten zu schützen.

Was hat für Sie höhere Priorität: die Suche auf den Asteroiden nach Edelmetallen oder nach Raketentreibstoff?

Anderson: Eines der ersten Ziele ist, ein Netz aus Treibstoffdepots im Orbit anzulegen, gewissermaßen Tankstellen im inneren Sonnensystem, um Autobahnen für die Raumfahrt zu schaffen.

Sie planen also Tankstellen für Leute wie SpaceX-Milliardär Elon Musk, der bemannte Missionen zum Mars schicken will?

Anderson: Elon und ich haben ein gemeinsames Ziel, wir haben sogar viele gemeinsame Ziele. Nichts würde eine Besiedlung des Mars so beschleunigen wie eine drastische Senkung der Flugkosten. Ein Verbund von Treibstoffdepots im inneren Sonnensystem würde unmittelbar dazu beitragen.

Paul Marks, first published in New Scientist © 2012

© New Scientist Deutschland GmbH 2012

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  • Datum: Freitag 12.10.2012 | 18:00 Uhr
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