Intelligente Arbeitsteilung Mein Chef ist ein Computer

Chef aus Fleisch und Blut? Überflüssig.
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Chef aus Fleisch und Blut? Überflüssig.

Ein Programm delegiert Jobs im Netz automatisch an menschliche Helfer, bewertet deren Arbeit und überweist ihnen den Lohn.

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Ein Rechner wäre mir als Chef lieber als ein Trottel", sagt Daniel Barowy. Er ist Informatiker an der University of Massachusetts und Schöpfer von AutoMan, dem ersten System, das menschlichen Arbeitern auf Crowdsourcing-Plattformen vollautomatisch Aufträge zuweist.

Rechner tun sich mit vielen Aufgaben, die uns simpel erscheinen, schwer: Fotos beschreiben etwa oder Witze übersetzen. Auftraggeber können daher solche Jobs auf Portalen wie Clickworker oder Amazons Mechanical Turk ausschreiben (benannt nach dem "Schachtürken", einem vermeintlichen Schachautomaten aus dem 18. Jahrhundert, hinter dem ein echter Mensch steckte). Dort lösen freie Mitarbeiter die Probleme für kleines Geld.

Es zählt allein Qualität

"Wir sehen das als neue Form der Datenverarbeitung", sagt Barowy. "Es eröffnet ganz neue Möglichkeiten." Um den Prozess des Crowdsourcing zu automatisieren, entwickelte er AutoMan: Das Programm verteilt Aufgaben, managt das Personal, nimmt die geleistete Arbeit ab und zahlt Lohn - ganz wie ein normaler Chef. Wichtigste Aufgabe der Software sei die Qualitätssicherung, sagt Barowy. "Ohne einen Mechanismus, der sicherstellt, dass die erbrachte Leistung einem gewissen Standard genügt, ist eine vollständige Automatisierung nicht möglich."

Im Gegensatz zu bestehenden Konzepten versucht AutoMan nicht, die Zuverlässigkeit der Arbeiter anhand ihrer bisherigen Leistung zu beurteilen. Ist sich das Programm nicht sicher, ob eine Lösung korrekt ist, stellt es die Aufgabe wieder und wieder, bis ihm die Antwort plausibel erscheint.

Zum Einsatz kommen könnte AutoMan etwa in Apps wie VizWiz. Blinde schicken darüber Fotos ihrer Umgebung an einen Crowdsourcing-Dienst und erhalten eine Beschreibung der Bilder. Wer solch ein Programm nutzt, merkt meist nicht, ob er es mit Rechnern oder mit Menschen zu tun hat.

Auch für die Arbeiter habe der automatische Chef Vorteile, erzählt Barowy. "Die Leute lernten das System zu schätzen, weil es unparteiisch ist." Seine Arbeitsgruppe stellte AutoMan im November auf einer Programmierer-Konferenz in Arizona vor.

Eine neue Art der Arbeit

"Jeder Programmierer könnte es problemlos einsetzen", sagt Michael Bernstein, Informatiker an der Stanford University. "Das ist wirklich eine bedeutsame Sache." Er hat selbst hybride Systeme entwickelt - etwa Soylent, ein Programm, das Texte von Menschen Korrektur lesen lässt.

Barowys Team hofft, dass seine Software Crowdsourcing populär macht. "AutoMan könnte helfen, eine neue Art von Arbeitsplätzen zu schaffen", sagt Emery Berger, der an dem Programm mitgearbeitet hat.

Douglas Heaven

© New Scientist Deutschland GmbH
First published in New Scientist 0/2012,
Reed Business Information Ltd., England.

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  • Datum: Donnerstag 01.11.2012 | 00:00 Uhr
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