Dies ist die Website des neuen wöchentlichen Wissensmagazins der SPIEGEL-Gruppe. Hier finden Sie spannende Neuigkeiten aus Wissenschaft und Technik, verblüffende Videos aus Forscherlaboren und kuriose Beobachtungen aus dem Alltag.
Benjamin Bahr , Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik, Potsdam-Golm:
Die Gravitation oder Schwerkraft an sich ist kein Ding, sondern die Tatsache, dass sich Massen gegenseitig anziehen. Deswegen ist es auch wenig sinnvoll zu fragen, ob sie ins Schwarze Loch hineinfällt oder dessen Sog entkommen kann Gravitation ist dieser Sog. Übrigens ziehen nicht nur Schwarze Löcher alles sogar das Licht an. Andere Objekte tun das genauso. In der Tat unterscheiden sich Schwarze Löcher aus weiter Entfernung gesehen gar nicht so sehr von anderen Himmelskörpern, zumindest was ihre Schwerkraft angeht: Würde man unsere Sonne durch ein Schwarzes Loch derselben Masse ersetzen, so hätte das auf die Umlaufbahn der Erde keinen Einfluss. Sie würde einfach weiter einmal pro Jahr um das Schwarze Loch kreisen ohne die Sonnenstrahlung würde es nur leider ziemlich kalt bei uns werden. Schwarze Löcher unterscheiden sich allerdings von anderen Objekten wie beispielsweise unserer Sonne darin, dass ihre gesamte Masse auf einen winzigen Punkt konzentriert ist und sie sich damit vollkommen hinter ihrem eigenen Ereignishorizont befinden. An dieser Grenze wird die Gravitation in der Tat extrem stark. Wer sich dem Schwarzen Loch so weit nähert, dass er den Ereignishorizont überquert, für den gibt es kein Entrinnen mehr, vergleichbar einem Boot, das über die Klippe eines Wasserfalls gerät. Nicht einmal Licht kann von jenseits des Ereignishorizonts entkommen. Für ein Objekt mit der Masse unserer Sonne ergibt sich übrigens rechnerisch, dass der Ereignishorizont nur etwa 4,7 Kilometer vom Zentrum entfernt läge. Die Sonne selbst ist aber ungefähr 150 000-mal so groß, daher ist sie zum Glück auch kein Schwarzes Loch.
Jörn Wilms , Remeis-Sternwarte und Erlangen Centre for Astroparticle Physics, Universität Erlangen-Nürnberg:
In der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein ist die Gravitation eine Eigenschaft des Raumes. Ein gutes zweidimensionales Modell dafür ist ein straffgezogenes Stück Gummi, auf das ein Dreieck gemalt ist. Legen wir auf dieses Gummi eine schwere Kugel, dann verzieht diese das Gummi. Ohne eine Kugel auf dem Gummi ist die Summe der inneren Winkel des Dreiecks gleich 180 Grad. Mit der Kugel ist die Summe größer. Diese Änderung ist ein Maß dafür, wie stark der Raum gekrümmt ist. Die Gleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie beschreiben nun, wie eine Masse den Raum krümmt und auf welchen Wegen sich Licht (und langsamere Dinge) in diesem Raum bewegen können. Die Krümmung ist dann genau das, was wir als Gravitation bezeichnen. In einem Schwarzen Loch ist viel Masse auf ganz kleinem Raum vereinigt. Damit ist die Krümmung so stark, dass es keine Wege für Licht gibt, die aus dem Inneren des Schwarzen Lochs führen. Gravitation kann aber immer noch entweichen, weil die Raumkrümmung durch die Masse des Schwarzen Lochs eindeutig beschrieben werden kann. Der US-amerikanische Physiker John Archibald Wheeler hat dies mit dem prägnanten Satz "Schwarze Löcher haben keine Haare" zusammengefasst: Das Einzige, was wir über das Innere eines Schwarzen Lochs sagen können, ist, wie viel Masse sich in ihm befindet. Wirklich das Einzige? Fast: Schwarze Löcher können sich auch drehen. Wie bei der Kugel auf der Gummifläche kann die Drehung den Raum verdrillen. Auch diese Verdrillung lässt sich außen messen. Weitere Eigenschaften haben Schwarze Löcher allerdings nicht. Damit gehören sie zu den einfachsten Objekten im Universum.
Sie haben auch eine Gute Frage? Ihre Zuschriften erreichen uns entweder direkt über Facebook oder via Mail an gute_frage@new-scientist.de.
Alle Guten Fragen unserer Leser finden Sie hier.
© New Scientist Deutschland GmbH 5/2013
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigung nur mit Erlaubnis der SPIEGEL-Gruppe.