Stammzellen Neues aus dem Reich der Toten

Knochenmarkspenden von Lebenden bald überflüssig?
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Knochenmarkspenden von Lebenden bald überflüssig?

Forscher entdecken einen Jungbrunnen: Aus dem Knochenmark von Leichen wollen sie heilende Gewebe züchten.

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Verstorbene sind schon heute Lieferanten für Spenderorgane. Jetzt könnten Tote auch noch zu einer Quelle für Stammzellen werden: Forscher haben herausgefunden, dass sich die jugendlichen Zellen bis zu fünf Tage nach dem Tod eines Menschen aus dem Knochenmark gewinnen und weitervermehren lassen.

Menschliches Knochenmark enthält einen bestimmten Typ von Stammzellen, die mesenchymalen Stammzellen (MSC). Sie können sich – je nachdem, wo Mediziner sie nach einer Transplantation injizieren – zu Knochen-, Knorpel- oder Fettzellen entwickeln. Und anders als bei den meisten Transplantaten attackiert das Immunsystem die fremden MSC nicht. Die Zellen beruhigen die körpereigene Abwehr offenbar sogar. Das macht sie für eine Vielzahl von Therapien interessant.

Für solche Behandlungen sind allerdings viele Zellen nötig – und ausreichend Material von einem Lebendspender zu gewinnen erweist sich als schwierig, weil der den größten Teil seines Marks noch benötigt. Könnten Leichen die Lösung sein? Da MSC in einer sauerstoffarmen Umgebung existieren, nahm der Stammzellforscher Gianluca D'Ippolito an, dass diese Zellen länger überleben. Sein Team an der University of Miami bewahrte daraufhin die Fingerknochen zweier Leichen für fünf Tage auf. Dann entnahmen sie die MSC aus dem Mark und züchteten sie innerhalb von fünf Wochen zu Knorpel-, Fett- und knochenformenden Zellen heran, wie D'Ippolito auf dem World Stem Cell Summit Anfang Dezember in West Palm Beach, Florida, berichtete. Nerven- und Darmzellen sind als Nächstes dran.

Leichen seien reich an den flexiblen Zellen, sagt D'Ippolito: "Würde man allein deren Wirbelknochen nehmen, stünden Millionen zur Verfügung."

Ganz abwegig ist seine Idee nicht. Hornhaut-Stammzellen von Verstorbenen haben sich bereits zur Behandlung von Augenleiden bewährt. Paolo Macchiarini vom Karolinska Institutet in Stockholm nennt D'Ippolitos Studie zudem exzellent, warnt aber auch, dass die Zellen womöglich nicht so gesund seien wie gehofft. Das schon tote Gewebe und niedrige Temperaturen könnten sich auf ihre DNA ausgewirkt haben. Chris Mason vom University College London zufolge ist es außerdem umstritten, während einer Therapie auf verschiedene Spender zurückzugreifen. Was wohl nötig würde, weil die Zahl von Stammzellen aus einer Leiche nun einmal begrenzt ist: "Von einem Lebendspender kann man immer neue Zellen bekommen."

Jessica Hamzelo

© New Scientist Deutschland GmbH
First published in New Scientist 0/2012,
Reed Business Information Ltd., England.

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  • Datum: Dienstag 08.01.2013 | 15:42 Uhr
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