Fluglärm Höher, steiler, leiser

Leise landen und Sprit sparen: der kontinuierliche Sinkflug (durchgezogene Linie).
DLR (CC-BY 3.0)

Leise landen und Sprit sparen: der kontinuierliche Sinkflug (durchgezogene Linie).

Forscher tüfteln an neuen Anflugrouten, um den Krach für Anwohner erträglicher zu machen. Der Bundesrat arbeitet an einer entsprechenden Initiative.

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Dienstagnachmittag hatten die Anwohner vom Frankfurter Flughafen endlich einmal Ruhe. Wegen Schneetreibens wurde der Betrieb vorübergehend eingestellt. Dass das von Dauer sein könnte, davon wagen selbst Fluglärmaktivisten nicht zu träumen. "Stille zu fordern ist natürlich übertrieben, aber es muss deutlich leiser werden", sagt Carola Gottas, Sprecherin derBürgerinitiative aus Flörsheim-Hochheim, einer Gemeinde direkt in der Einflugschneise des Flughafens.

Die Länder beraten derzeit über eine Gesetzesinitiative aus Rheinland-Pfalz, die die Auswahl der Anflugrouten stärker am Lärmschutz orientieren soll. Auch die Einbindung der Anwohner soll besser werden. Baden-Württemberg stützt das Ansinnen, den Hessen allerdings geht die Initiative zu weit. So musste der Punkt wieder von der Tagesordnung der Bundesratssitzung kommenden Freitag genommen werden; jetzt wird die genaue Formulierung ausgehandelt.

Die richtige Landeroute ändert viel

Tatsächlich kann die Variation des Anflugs einen großen Unterschied machen. Bernd Korn, Leiter der Abteilung Pilotenassistenz am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig ist überzeugt, dass beim Landen am ehesten eine "kurzfristige Lärmminderung zu erreichen" ist. Generell gehe es darum, den Abstand des Flugzeugs zu den Anwohnern zu vergrößern, erklärt der Experte, "also beispielsweise möglichst lange möglichst hoch zu fliegen".

In Frankfurt wird gerade getestet, die Jets steiler anfliegen zu lassen. So könnte die Landung rund ein halbes Dezibel leiser werden, was durchaus hörbar sei, sagt Korn. Die Methode habe aber Grenzen: Das Risiko, hart aufzusetzen, steigt mit steileren Anflügen. "Jeder Passagier will aber eine sanfte Landung", so Korn. Darüber hinaus bringe das Verfahren nur im Umkreis von rund 20 Kilometern etwas.

Jenseits dieser Marke untersuchen Korn und seine DLR-Kollegen eine andere Variante: den kontinuierlichen Sinkflug, auch Continuous Descent Approach (CDA) genannt (siehe Bild). Dabei gleiten die großen Passagierjets im Leerlauf, also ohne Schub aus den Triebwerken, der Landebahn entgegen. Der CDA wird bereits praktiziert, aber nur, wenn es das Verkehrsaufkommen zulässt. "Verschiedene Flugzeugtypen sinken im CDA unterschiedlich schnell, daher müssen die Abstände zwischen den Jets erhöht werden – bei einem ausgelasteten Flughafen mit Landungen im Minutentakt würden so deutliche Kapazitätseinbußen entstehen", sagt Korn.

Um den Anteil der leisen CDAs zu erhöhen, arbeiten die Forscher daher an einer Änderung der Anflugrouten, dem Point-Merge-System (PMS). Dabei werden die Flugzeuge in hohen Luftschichten gesammelt, um sie dann in einer Art Trichter per Reißverschlussverfahren in niedrigere Höhen zu führen – und danach wiederum in den Landeanflug.

So sparen die Jets außerdem Kerosin, was die Fluglinien freut. Größere Flugzeuge wie Boeings 747 oder der Airbus A330 brauchen mit dem PMS pro Flug fast eine halbe Tonne weniger Kerosin, hat die Umweltorganisation Atmosfair ermittelt.

Noch besser wäre es natürlich, die Jets wären gleich leiser. Das ist der Ansatz von Lars Enghardt vom DLR-Institut für Antriebstechnik in Berlin. Der Triebwerksakustiker versucht, die Turbinen von morgen in einigen Frequenzbereichen nahezu verstummen zu lassen. "Im Idealfall könnte der Triebwerkslärm so halbiert werden."

Künstliche Stille im Triebwerk

Der Ingenieur bekämpft das schrille Pfeifen der Rotoren mit Gegenpfeifen. Fachleute sprechen auch von "aktiver Lärmminderung mittels eines Gegenschallfeldes". Die Idee ist nicht neu: Ein existierendes Schallfeld wird von einem zweiten, künstlich erzeugten, so überlagert, dass Wellentäler auf Wellenberge treffen und sich so gegenseitig auslöschen – das Resultat ist Stille.

Anders als in bisherigen Versuchen erzeugt Enghardt den Gegenschall nicht mit Lautsprechern, sondern mit Druckluft: Sie wird direkt hinter dem großen Rotor am Triebwerkseingang, auch Fan genannt, gezielt durch kleine Düsen eingeblasen. Dort trifft die komprimierte Luft auf das Schallfeld des Fans – und löscht es aus. Um denselben Effekt mit Lautsprechern zu erzielen, seien 100 Stück nötig, sagt Enghardt. "Das entspricht bis zu 200 Kilogramm Zuladung – und damit zwei bis drei Passagieren weniger." Triebwerkshersteller wie MTU Aero Engines und Rolls-Royce haben daher großes Interesse an seiner Arbeit.

Drei anderen Lärmquellen widmet sich DLR-Forscherin Michaela Herr vom Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik in Braunschweig. Sie untersucht, wie Fahrwerk, Vorflügel und Landeklappen so konstruiert werden können, dass sie weniger Lärm erzeugen. "Beim Landeanflug ist das Umströmungsgeräusch dieser Komponenten teilweise genauso groß wie das der Triebwerke", sagt Herr. Eine kompaktere Bauweise und neue aerodynamische Verkleidungen sollen das Fahrwerk zum Flüstern bringen. Dies ändere aber erst bei kommenden Jet-Generationen etwas, sagt sie.

Kerstin Meyer, Luftfahrtexpertin vom Verkehrsclub Deutschland, fordert daher ein bundesweites Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr. "Anders als die Erneuerung der Flugzeugflotten kann diese Maßnahme unmittelbar in Kraft treten."

Denis Dilba

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insgesamt 4 Beiträge
1. Flugzeugtypen
kanarias 18.03.2013
Ich beobachte von meinem Wohnort die anfliegenden Flugzeuge sehr aufmerksam. Diese haben dabei eine Höhe von ca. 1000 m, etwa 20 km vor dem Rollfeld. Deutlich auffällig ist, dass Typen der A319-321 Baureihe viel lauter sind als [...]
Ich beobachte von meinem Wohnort die anfliegenden Flugzeuge sehr aufmerksam. Diese haben dabei eine Höhe von ca. 1000 m, etwa 20 km vor dem Rollfeld. Deutlich auffällig ist, dass Typen der A319-321 Baureihe viel lauter sind als alle anderen Jets incl. A340. Die zusätzlichen heulenden Geräusche entstammen wahrscheinlich Turbulenzen in den Landeklappen, weil die Motoren sich im Leerlauf befinden und das Fahrwerk noch nicht draussen ist. Wenn sich alle Maschinen auf dem Lärm-Niveau von z.B. B737 befinden würden, wäre das schon mal eine gute Sache.
2. Schmarn
phicong 18.03.2013
Sorry aber die Diskussion regt mich auf. Nicht weil ich die Fluglärmgeplagten Menschen nicht verstehe sondern weil einfach zu viel Unwissenheit besteht. Ich bin einer von denen die 4 Mal am Tag über die Köpfe fliegen. Ich mache [...]
Sorry aber die Diskussion regt mich auf. Nicht weil ich die Fluglärmgeplagten Menschen nicht verstehe sondern weil einfach zu viel Unwissenheit besteht. Ich bin einer von denen die 4 Mal am Tag über die Köpfe fliegen. Ich mache Lärm und irgendwie muss ich auch meine Familie ernähren... Fakt ist: Den Menschen in flörsheim und Co ist nicht zu helfen. Ob wir nun mit 3 grad oder 3,2 grad anfliegen ist für die doch vollkommen egal! Bei beidem machen wir Lärm! Aber was mich am meisten aufregt ist der sogenannte CDA Approach! Fakt ist: es gibt sie nur auf dem Papier! Ich bin noch nie einen geflogen und kenne auch niemanden, der einen geflogen ist... Das ist absolute Propaganda. Was allerdings helfen würde wäre den Gegenanflug 2 Meilen nach Norden zu verlegen. Da ist doch nur Wald! So Brettern wir jedesmal über Wiesbaden! Die ganze Diskussion wird nur von Leuten geführt die anscheinend Null Ahnung von der Materie haben!
3. Fluglärm
susi73 18.03.2013
Die Turbinen läufen bei der Landung auf ca. 50% der maximaler Leistung, dabei sind sie lauter wie beim normalen Flug. Die hohe Leistung ist nötig um die Verluste durch die Landeklappen und Fahrwerk auszugleichen.
Die Turbinen läufen bei der Landung auf ca. 50% der maximaler Leistung, dabei sind sie lauter wie beim normalen Flug. Die hohe Leistung ist nötig um die Verluste durch die Landeklappen und Fahrwerk auszugleichen.
4. Ein halbes Dezibel ist nicht hörbar.
DonCarlos 18.03.2013
Den Unterschied von einem halben dB hört man vielleicht im direktem Vergleich aber nicht bei zwei zeitlich getrennten Geräuschen. Das Einzige was ein halbes Dezibel ausmacht, sind mehr Flieger in der selben Zeit fliegen zu lassen, [...]
Den Unterschied von einem halben dB hört man vielleicht im direktem Vergleich aber nicht bei zwei zeitlich getrennten Geräuschen. Das Einzige was ein halbes Dezibel ausmacht, sind mehr Flieger in der selben Zeit fliegen zu lassen, ohne über die Grenzwerte zu kommen.
  • Datum: Montag 18.03.2013 | 14:34 Uhr
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