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    EU-Klimaziel: Woher soll der Sprit kommen?



EU-Klimaziel Auf der Suche nach dem heiligen Sprit

Müssen wir uns zwischen Tank und Teller entscheiden?
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Müssen wir uns zwischen Tank und Teller entscheiden?

Die Kommission will den Anteil essbarer Pflanzen in Benzin und Diesel halbieren. Die Frage ist nur: Woher kommt der Kraftstoff dann?

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"Tank oder Teller?" Entlang dieser Parole tobt seit Jahren ein erbitterter Konflikt zwischen Befürwortern und Gegnern von Kraftstoffen, die aus Raps, Mais, Weizen oder Rüben stammen. Angesichts des Vorwurfs von Organisationen wie der Welthungerhilfe, zum Schutz des Klimas den Welthunger zu verschlimmern, zieht die EU-Kommission nun die Reißleine.

Maximal fünf Prozent des Kraftstoffs sollen bis 2020 aus potentiellen Nahrungsmitteln gewonnen werden - nur noch halb so viel wie bisher. Das geht aus einem Richtlinienentwurf hervor, den die EU-Kommissare Günther Oettinger (Energie) und Connie Hedegaard (Klima) vergangene Woche in Brüssel vorgestellt haben. Sie halten dabei am alten Ziel fest, bis 2020 zehn Prozent des Kraftstoffbedarfs aus Pflanzen zu decken. Künftig sollen aber mehr Abfallprodukte wie Stroh zu Biosprit verarbeitet werden.

Aus Stroh Gold machen

Doch das birgt andere Nachteile: "Bislang pflügen Bauern die Pflanzenreste auf ihren Feldern unter", sagt Jens Dauber, vom Thünen-Institut für Biodiversität in Braunschweig. "Das trägt ganz wesentlich zur Humusbildung im Boden bei." Fehlen diese Stoffe, leide die Qualität der Äcker.

Ohnehin wird schon vielfach das Stroh vom Acker gesammelt, um es direkt in Heizkraftwerken zu verbrennen. Was früher als billige Einstreu in Kuhställen landete, ist heute das Gold der Bauern. Müssen sich Bauern überhaupt zwischen Tank und Teller entscheiden? Könnten sie nicht mehr Flächen beackern? Ein internationales Forscherteam unter Leitung Daubers wertete dazu 170 Agrarstudien aus.

Brachflächen, so groß wie das Mittelmeer

Das Ergebnis: Grundsätzlich stünden weltweit zwischen 250 Millionen und 1580 Millionen Hektar ungenutzte Flächen bereit, auf denen sich Ackerbau betreiben ließe. Das ist etwa eine ein- bis sechsmal so große Fläche wie das Mittelmeer. Diese Bandbreite weist schon auf das erste Problem hin: "Bislang gibt es keine klare Definition", sagt Dauber, "was unter überschüssigen Flächen zu verstehen ist."

Zudem eignet sich nicht jede Brachfläche für jede Pflanze. "Wenn Bioenergie dauerhaft zum Klimaschutz beitragen soll", sagt Daniela Thrän vom Helmholz-Zentrum für Umweltforschung, "dann müssen wir Empfehlungen geben, welche Anbausysteme am besten für den jeweiligen Typ Land geeignet sind." In England bauen Landwirte etwa bevorzugt China-Riesenschilf zur Energiegewinnung an. Das ist anspruchslos und wächst schnell.

Hierzulande lassen sich die Bauern ungern auf Experimente ein: "Beim Energiemais gehen sie auf Nummer sicher, auch wenn er nicht immer die beste Alternative ist", erzählt Dauber. Machten Landwirte schlechte Erfahrungen mit einer Anbaumethode, sei diese bald unten durch. "Das spricht sich schnell im Dorf rum."

Solarzellen oder Biosprit?

Auch wenn Bauern auf Brachflächen ausweichen, um besonders effiziente Energiepflanzen anzubauen, bleibt das nicht ohne Folgen. "Es gibt in Deutschland ohnehin schon zu wenig Wildnis", urteilt Marion Ruppaner vom Bund Naturschutz in Bayern.

Und nicht zuletzt steht der Anbau von Energiepflanzen auch im Wettbewerb mit anderen erneuerbaren Energien. "Ist es sinnvoller, auf einer Brache eine Solaranlage zu errichten, statt Mais oder Raps anzubauen?", fragt Dauber.

An Studien zum Anbau von Energiepflanzen und Erfahrungen vor Ort mangelt es jedenfalls nicht, stellte Dauber fest. Doch die Arbeiten bringen kein einhaltliches Bild, weil sie nur schwer vergleichbar seien. Die Ämter rückten ihre Daten ungern heraus und unterscheiden sich stark in den Ansätze und Methoden.

Auch deshalb können sich Dauber und seine Kollegen nicht zu einer klaren Empfehlung durchringen. Er hält es jedenfalls für sinnvoll, dass die EU-Kommission jetzt den Druck aus der Debatte nimmt. "Es ist gut, einmal einen Schritt zurückzutreten, dann hat man einen besseren Blick."

Helmut Broeg

© New Scientist Deutschland GmbH 2012

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insgesamt 3 Beiträge
1. Andere Alternativen?
herbert-hentschel 28.10.2012
Ich bin schon etwas erstaunt, dass auch Sie sich bei diesem Thema nur auf die allseits bekannten Möglichkeiten der Energieerzeugung beschränken. Es ist schon bemerkenswert, dass auch Sie sich nicht getrauen, den wohl ausreichend [...]
Ich bin schon etwas erstaunt, dass auch Sie sich bei diesem Thema nur auf die allseits bekannten Möglichkeiten der Energieerzeugung beschränken. Es ist schon bemerkenswert, dass auch Sie sich nicht getrauen, den wohl ausreichend nachgewiesenen Engergieerzeugungseffekt des LENR-Prozesses auch nur zu erwähnen. Man hat schon den Eindruck, dass hier mit Macht versucht wird, Neues und vielleicht nicht allen in den Kram Passendes verschwiegen wird.
2. Mal ganz ehrlich
mephi-one 03.11.2012
Die Diskussion "Tank statt Teller" finde ich albern und völlig unlogisch. "Den Anteil essbarer Pflanzen halbieren" - was ist damit gekonnt oder gewonnen? Dann baut eben der Bauer, der vorher Getreide für [...]
Die Diskussion "Tank statt Teller" finde ich albern und völlig unlogisch. "Den Anteil essbarer Pflanzen halbieren" - was ist damit gekonnt oder gewonnen? Dann baut eben der Bauer, der vorher Getreide für biosprit angebaut hat jetzt nichtessbare Pflanzen an. Und? der Ethik ist genüge getan, der Welthunger nicht beseitigt. Aber alle glücklich. Warum heißt es dann nicht auch "Jeans statt Teller" und wir verbieten zu gunsten der Ernährung den Anbaue von Baumwolle? In meiner gegend werden kmq-weise zwiebeln angebaut, daraus wird Spweisewürze hergestellt, also nicht direkt verzehrt! ist das nun moralisch/ethisch okay oder nicht? Lt. einer Studie von Grennpeace werden momentan soviel Agrarprodukte angebaut/fleischprduziert um 12 Milliarden Menschen zu ernähren! Wir alle kennen doch die Studien der letzten Monate, wonach in Deutschland allein ca. 86 Mio. tonnen lebensmittel jährlich weggeworfen werden. "Tank statt Teller" ist ein Schein- bzw. Stellvertreter- gefecht. Wollen wir eine wirkliche nachhaltige, ertragsfähige Agrarwirtschaft, so heitß das zauberwot "Landnutzungsmanagement". Wie in "alten" zeiten. man baut auf den entsprechenden Böden das an, was dort am besten gedeiht! Und quält ihnen mit viel Chemie nicht etwas ab, was sie unter "natürlichen" Bedingungen gar nicht oder schlecht hergeben würden.
3. Mal wieder sinnfreie Umweltpolitik...
GEO1984 22.11.2012
Als Student der Geographie, Bodenkunde und Geologie stehen mir bei diesem Vorstoß mal wieder die Haare zu Berge. Solche Vorschläge können auch nur von Leuten kommen, die keine Ahnung von Ackerböden und deren Management haben. [...]
Als Student der Geographie, Bodenkunde und Geologie stehen mir bei diesem Vorstoß mal wieder die Haare zu Berge. Solche Vorschläge können auch nur von Leuten kommen, die keine Ahnung von Ackerböden und deren Management haben. Ich halte BIOSPRIT GENERELL für einen völligen Holzweg. Die Vorschläge Ernterückstände wie Stroh oder nichtessbare Pflanzen(auch Energiemais fällt auch darunter) zu nutzen sind in der Fachwelt schon lange bekannt und genauso lange wie heiß diskutiert. Ich halte es im Bezug auf die Humusghalte und den Nähstoffhaushalt von Ackerböden fatal,da gerade Enterückstände die wichtigste Quelle zur Humusneubildung darstellen. In Anbetracht der damit drastisch fallenden Ertragsleisung und der kommenden Phosphorkrise sollte man meinen das wir besseres mit unseren Ackerböden zu tun haben als sie für Biosprit zu verheizen. Nach längerer Beschäftigung mit dem Thema halte ich für die Energieversorgung eine Durchführung der Desertec Pläne für die einzige nachhaltige Lösung. Die Frage des Energietransports bleibt jedoch in soweit bestehen. Vielfach wird davon Ausgegangen, man müsste Strom nach Europa leiten, dabei würde es auch mit Synthetisierten Kohlenwasserstfofen(z.B. Methan) relativ einfach funktionieren, man hätte zwar Wandlungsverluste, aber was kümmert der Wirkungsgrad, wenn die Vorhande Infrastruktur im wesentlichen bestehen bleiben kann und die Energie nahe zu umsonst ist?!
  • Datum: Freitag 26.10.2012 | 15:04 Uhr
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