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Es war ein schwarzer Mittwoch für die Aktienhandelsfirma Knight Capital. Weil die Algorithmen aus dem Ruder liefen, mit denen die Rechner der Firma an der New York Stock Exchange Wertpapiere kauften und verkauften, verlor Knight Capital am 1. August dieses Jahres in 45 Minuten 440 Millionen Dollar.
Die richtige Technik und die richtige Software spielen eine immer wichtigere Rolle an den Börsen insbesondere beim High-Frequency-Trading (HFT), dem Hochgeschwindigkeitshandel. Das Geschäftsmodell nutze Ineffizienzen der Märkte aus, erklärt Nikolaus Hautsch, Ökonom an der Humboldt-Universität in Berlin. "Kleine Preisunterschiede an verschiedenen Börsen verwandeln Händler durch schnellen Kauf und Verkauf in Profit." In der Zeit, in der ein menschlicher Broker blinzelt, wickeln Computer Hunderte Transaktionen ab. Doch der schnelle Handel kann Märkte manipulieren: Über unverbindliche Kaufanfragen provozieren die Händler Kursunterschiede, die sich zu Geld machen lassen wenn sie über die nötige Infrastruktur verfügen.
Vergessene Technik
In den USA laufen etwa 70 Prozent des Handels in Hochgeschwindigkeit automatisch ab, in Deutschland geschätzte 40 Prozent. Für den Erfolg der HFT-Broker ist entscheidend, als Erste eine Kurzdifferenz zu erspähen und auszunutzen. Um sicherzustellen, dass die nötigen Informationen möglichst schnell von der Börse zum Rechner des Händlers gelangen und wieder zurück, mieten die Firmen Serverräume nah an der Börse an. Glasfaserkabel sind Pflicht typische Laufzeiten eines Ordersignals liegen zwischen einer halben und einer Millisekunde. Die New Yorker Börse generiert die aktuellen Kurse gar in Abständen von Hunderten Nanosekunden.
Die niederländische Firma Interxion bietet den Händlern deshalb eine fast vergessene Funktechnik an: Sie installieren Mikrowellensender, die Daten per Richtfunk transportieren. Damit lassen sich Informationen ein Drittel schneller versenden als via Glasfaser. Johannes Arendt vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen hält das für einen logischen Schritt, "bei direktem Richtfunk fallen Datenaufbereitungsstationen der Glasfasertechnik weg".
Fragile Algorithmen
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Rechenleistung der Order-Computers. Inzwischen interessieren sich die HFT-Händler nur noch für Systeme, die mit den offiziellen Top Ten der Supercomputer mithalten können. Die Kosten für Kauf und Betrieb solcher Rechner belaufen sich auf 10 bis 20 Millionen Euro pro Jahr. Nur wer genug ins Wettrüsten investiert, kann die Kursschwankungen ausbeuten, erklärt Ökonom Hautsch: "Normale Anleger und kleinere Händler haben keine Möglichkeit, im schnellen Handel mitzumischen."
Bei dem Temporausch bleibt die Qualität der Computerentscheidungen schnell auf der Strecke. Nach dem Desaster von Knight Capital hat Australien im November den HFT stärker reguliert. Denn die Kursrutsche gefährden die Börse als Ganzes. Unter anderem verlangt das neue Gesetz einen "Kill-switch", um die Rechner sofort vom Handel nehmen zu können. In Deutschland gibt es das schon. Aber auch hier ist derzeit ein Gesetzentwurf im Parlament, der vor allem auf die Regulierung der Algorithmen zielt. Eine unabhängige Analyse der Order-Algorithmen wird es aber nicht geben. "Das", sagt Nikolaus Hautsch, "ist nicht praktikabel."
Peter Gotzner
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