Rinderwahn Abgeleckt, angesteckt?

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Der Rinderwahn beschäftigt noch immer die Forscher. Jetzt haben sie Spuren des Erregers im Speichel entdeckt.

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Wo überall im Körper stecken die gefährlichen Krankheitserreger? Wie lassen sie sich frühzeitig nachweisen? Für die Bovine Spongiforme Enzephalopathie, besser bekannt als BSE oder Rinderwahnsinn, suchen Forscher noch immer nach Antworten – und erreichen dabei nun die Mundhöhle der kranken Rinder. Japanische Wissenschaftler haben festgestellt, dass sich Spuren des BSE-Erregers auch im Speichel infizierter Versuchstiere nachweisen lassen (Emerging Infectious Diseases, doi: 10.3201/eid1812.120528). Was so erschreckend wie verheißungsvoll erscheint.

Denn bislang lässt sich BSE erst nach dem Tod des Tieres eindeutig diagnostizieren – anhand der typischen schwammartigen Veränderungen im Hirn. Ausgelöst werden sie durch die BSE-Erreger. Diese Prionen sind falsch gefaltete, unlösliche Eiweiße, die normalen Prionenproteinen des Nervensystems ihre abnorme Faltung aufzwingen können.

Um herauszufinden, ob sich die Krankheit schon in lebenden Tieren nachweisen lässt, infizierte ein japanisches Team unter der Leitung des Prionenforschers Yuichi Murayama vom National Institute of Animal Health in Tsukuba gezielt drei Rinder. Alle vier Monate analysierte es den Speichel der Tiere mit der Serial Protein Misfolding Cyclic Amplification, kurz sPMCA. Mit dieser speziell für Prionen entwickelten Technik lassen sich die Erreger in einem Maßstab vervielfältigen, der den Nachweis extrem geringer Mengen ermöglicht. In einem der untersuchten Rinder entdeckten die Forscher die falsch gefalteten Prionenproteine schon zwei Monate bevor das Tier erste typische Symptome zeigte. In den anderen beiden Rindern fanden sie die Hinweise auf die Erreger gleichzeitig mit den ersten Zeichen des Rinderwahns. "Sobald der Krankheitserreger das zentrale Nervensystem erreicht, kann er vom Gehirn zu den Speicheldrüsen wandern", schreiben die Forscher.

Bedeutet das, dass BSE auch mit dem Speichel übertragen wird? Nicht unbedingt, sagt Martin Groschup. "Murayama und sein Team haben zwar im Speichel Erregerhinweise gefunden, allerdings in so geringen Mengen, dass sie nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand nicht infektiös wären", sagt der Leiter des Instituts für neue und neuartige Tierseuchenerreger am Friedrich-Loeffler-Institut. Auch sein Team hat die abnormen Prionenproteine bereits jenseits des Hirns aufgespürt – in der Speiseröhre infizierter Tiere (Journal of General Virology, doi: 10.1099/vir.0.044578-0). "Diese neue Studie und unsere Untersuchungen zeigen, wo der Erreger überall steckt und anfängt sich auszubreiten, aber eben noch nicht zu einer infektiösen Einheit vermehrt", sagt er. "Das geschieht nur im Hirn."

Die japanischen Forscher hoffen nun auf einen Test, mit dem sich BSE bei lebenden Tieren noch vor Ausbruch der Krankheit diagnostizieren lässt. Weitere Studien sind dafür nötig. Bis dahin könnte die Technik in der Risikoabschätzung hilfreich sein, sagt Groschup. "Wenn ich ein pharmazeutisches Produkt aus Speichel herstellen wollte, dann würde ich lieber keinen von Tieren nehmen, die positiv getestet sind", sagt er.

Andy Coghlan/ Kristin Hüttmann

© New Scientist Deutschland GmbH
First published in New Scientist 0/2012,
Reed Business Information Ltd., England.

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insgesamt 1 Beitrag
1. Abgeleckt, angesteckt?
maschinchen 10.12.2012
Meines Wissens kann BSE nicht horizontal also von Tier zu Tier übertragen werden - zum Glück. Die Epidemie wurde durch kontaminiertes Futter ausgelöst.
Meines Wissens kann BSE nicht horizontal also von Tier zu Tier übertragen werden - zum Glück. Die Epidemie wurde durch kontaminiertes Futter ausgelöst.
  • Datum: Donnerstag 01.11.2012 | 00:00 Uhr
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