• Home
  • >Tierwelt
  • >

    Brutparasitismus: Wie der Staffelschwanz den Kuckuck abwehrt



Brutparasitismus Gezwitschertes Passwort

Sing mir das Lied vom Futter.
DPA

Sing mir das Lied vom Futter.

Der australische Staffelschwanz lässt sich vom Kuckuck nicht täuschen. Ein falscher Ton, und der Brutparasit ist erledigt.

Sie lesen New Scientist Deutschland.

Dies ist die Website des neuen wöchentlichen Wissensmagazins der SPIEGEL-Gruppe. Hier finden Sie spannende Neuigkeiten aus Wissenschaft und Technik, verblüffende Videos aus Forscherlaboren und kuriose Beobachtungen aus dem Alltag.

Ihren Wirt zu täuschen ist für Kuckuckskinder überlebenswichtig. Die Tricks der Brutparasiten sind daher vielfältig: Kuckucke passen zum Beispiel die Farbe ihrer Eier an oder schlüpfen besonders früh. Auf die ein oder andere Weise fliegt der echte Nachwuchs dann über die Nestkante.

Beim australischen Prachtstaffelschwanz (Malurus cyaneus) kommt der Rotschwanzkuckuck (Chrysococcyx basalis) mit seinen Strategien aber nicht weit. Der Malurus baut kugelförmige Nester, aus denen der Kuckuck seine Stiefgeschwister nicht herausdrängen kann. Dafür schafft die Nestarchitektur ein anderes Problem: In der dunklen Kugel können die Eltern ihren Nachwuchs nicht sehen. Wie unterscheiden sie ihre Jungen vom Kuckuck?

Die Verhaltensökologin Sonia Kleindorfer von der Flinders University im australischen Adelaide hat herausgefunden, dass die Staffelschwänze eine Art Passwort entwickelt haben (Current Biology, doi.org/jgh). Die Vogeleltern singen dem Gelege bis zu 16-mal am Tag bestimmte Töne vor, die sie sonst nie – auch nicht nach dem Schlüpfen der Küken – wiederholen. Während der Kuckuck mit dem Gepiepe nichts anfangen kann, prägen sich die Ungeborenen Staffelschwänze die Melodie ein und nutzen die Töne später als Passwort, um gefüttert zu werden – der Kuckuck dagegen verhungert.

Jede Mutter hat ihre eigene Melodie. Das zeigte ein Vergleich mehrerer Gelege. "Dieser Mechanismus ist sicherlich keine Besonderheit der Staffelschwanz-Population Australiens. Um solch eine evolutionäre Gegenreaktion starten zu können, müssen die Eigenschaften bereits angelegt sein", sagt der Arzt und Ornithologe Karl Schulze-Hagen, der sich seit mehr als 35 Jahren mit Brutparasitismus beschäftigt. "Vermutlich ist die ganze Art dazu fähig."

Dem Gesetz der Co-Evolution folgend, müsste der Rotschwanzkuckuck das Passwort seiner Stiefeltern irgendwann herausfinden. "Es ist ein ewiges Wettrüsten", sagt Schulze-Hagen. Es bleibe abzuwarten, was sich die Vögel als Nächstes einfallen lassen.

Marion Martin, Alina Schadwinkel

© New Scientist Deutschland GmbH
First published in New Scientist 0/2012,
Reed Business Information Ltd., England.

Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigung nur mit Erlaubnis der SPIEGEL-Gruppe.

Sagen Sie Ihre Meinung!
  • Datum: Donnerstag 01.11.2012 | 00:00 Uhr
  • Artikel drucken | Artikel versenden









Online-Angebote der SPIEGEL-Gruppe
SPIEGEL ONLINE
manager magazin
Harvard Business Manager
manager-lounge
einestages
Bleiben Sie in Verbindung mit New Scientist
Fan werden von New Scientist
New Scientist auf Twitter
RSS-Feed abonnieren